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Kieler Nachrichten, 07.09.2009

Als „Kulturstadt“ wahrnehmbar

Neumünster - Der 11. Kunstflecken ist eröffnet. Rund 400 Fleckenfans erlebten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus bei der ArtTour eine Kunstreise durch die Stadt zu den vier Hauptausstellungen des Festivals.

„Hiermit erkläre ich den Kunstflecken für eröffnet“, erklärte feierlich am Freitagabend Oberbürgermeister Olaf Tauras in den Ausstellungsräumen der ehemaligen Holstenbrauerei. Doch nicht alle der rund 400 Gäste konnten diesen Moment miterleben. Der schmale Durchgang zwischen dem Foyer und der Ausstellung erwies sich als unüberwindbares Nadelöhr, da im Eröffnungsbereich drangvolle Enge herrschte. „Das ist bedauerlich“, murrten viele „ArtTourler“, die gezwungener Maßen vor dem Eingang des Gebäudes die frische Septemberluft genießen durften.

Das Saxofon-Kontrabass-Duo „Subsystem“ mühte sich derweil, die „Ausgesperrten“ mit Jazzimprovisationen zu besänftigen. Für den Umsatz des Weinstandes war der Stau gut. Die Mitarbeiter kamen mit dem Ausschenken kaum nach. Der Kunstflecken stelle die Industriekultur dank der gewählten Ausstellungsräume wie in der ehemaligen Brauerei oder der Werkhalle an der Klosterstraße in ein neues Licht, erklärte Tauras. Dank des Festivals werde Neumünster in Schleswig-Holstein immer mehr als Kulturstadt wahrgenommen.

Nach der Eröffnungszeremonie kam endlich Bewegung in die Masse und das Nadelöhr wurde wieder passierbar. Ausgestellte Fotos, Gemälde und Skulpturen zum Thema „Zweisamkeit“ wurden beäugt. Mit schmetterndem Gesang vom Eisenbahnmännerchor verabschiedet, zog die Kunstkarawane zum Museum Tuch und Technik zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem ArtTour-Bus weiter. Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek und seine Gattin Traute genossen die Stimmung im ArtTour-Bus. „Die Brauereiräume sind fantastisch. Warum nicht da ein Kulturzentrum mit einer Hausbrauerei gründen?“, sinnierte Strohdiek auf der kurzen Fahrt.

Manche „Touristen“ rieben sich verwundert die Augen, als sie das Museum betraten und mit Jazzimprovisationen vom Subsytem-Duo begrüßt wurden. Keine Zauberei - für Saxofonistin Almut Schlichting und Bassist Sven Hinze hatte das Kulturamt einen schnellen Shuttle-Service organisiert. Nach einer Werkeinführung wurden die aus Nylonstoffen, Zelten und Netzen erschaffenen Installationen des gebürtigen Neumünsteraners und jetzt in München lebenden Künstlers Stefan Wischnewski bestaunt. Oberbürgermeister Tauras blieb dieser Genuss zunächst verwehrt. Er wurde von einem Reporterteam der NDR 1 Welle Nord abgefangen und interviewt. Der Beitrag wurde live in der Radiosendung „Butten und binnen“ ausgestrahlt.

Beim Erreichen der nächsten Station - der Bürgergalerie - war die Karawane sichtlich zusammengeschmolzen. Die bereits aufgegeben hatten, verpassten den bemerkenswerten Anblick der brillant zusammengestellten Ausstellung „Tangente V“. 13 Künstler greifen in ihren Exponaten die politische Diskussion um einen Nordstaat auf und setzten ihr die Ausstellung „Nordstart“ entgegen. Als absoluter Hingucker und Anfasser entpuppte sich eine Video-Draht-Installation von Arne Lösekann. Danach ging es zum abschließenden Eröffnungsplausch in die Werkhalle an der Klosterstraße.